Vorarlberger Kulturservice

Was siehst Du, wenn Du aus dem Fenster schaust?
Ergebnisse des Literaturwettbewerbes

Über 70 Einsendungen mit wunderbaren Ausblicken

Ergebnisse des Literaturwettbewerbs „Was siehst Du, wenn Du aus dem Fenster schaust?“, ausgelobt von Vorarlberger Kulturservice, Theater am Saumarkt und Literatur Vorarlberg

Die PreisträgerInnentexte finden Sie auf der Saumarkt Home (in pdf Form am Ende dieser Seite).

Aufgabe des Vorarlberger Kulturservice ist es, partizipative Kulturarbeit im Bildungsbereich zu fördern und zu unterstützen. Aufgrund der Vorgaben der Regierung zur Vermeidung der Sozialkontakte ist dies bis auf weiteres nicht möglich. Diese Ausschreibung soll ein Beitrag zur Literaturvermittlung darstellen und Schreibtalente ermutigen.

Über 70 junge und ältere Menschen sind der Einladung gefolgt und haben einen literarischen Blick aus ihrem Fenster geworfen. Ihre eingereichten Texte repräsentieren ganz unterschiedliche Perspektiven aus ihren Räumen auf die Welt, eröffnen ganz persönliche Beobachtungen und Interpretationen der augenblicklichen besonderen Situation.

Was siehst Du, wenn Du aus dem Fenster schaust?

Projektbeschreibung

In der Kategorie der jüngsten TeilnehmerInnen hat besonders die achtjährige Kübra Kücük aus Bludesch die Jury bezaubert. Sie greift das Thema der Ausschreibung auf, indem sie beschreibt, wie sie ihre Großeltern von ihrem Fenster aus beobachten kann. Sie erzählt in Briefform, wie sie und ihre Geschwister die Situation in der häuslichen Quarantäne erleben.

 Der ebenfalls achtjährige Jacob Amann aus Satteins findet sich nicht mit einer langweiligen Corona-Zeit ab sondern wird zum „Architekten“ für die Welt vor dem Fenster und plant ein Flying Fox von der Gurtisspitze bis direkt vors Haus. Das Geld, das er für alle Planungen erhält, möchte er bei der nächsten Pandemie gerne spenden.

Miriam Nesensohn, zwölfjährig, lässt sich von der aktuellen Situation keineswegs in ihrer Phantasie einschränken, beschreibt sie doch die Welt da draußen vor dem Fenster als von Feen und Einhörner bevölkert und mit Diamanten besetzt.

In der Kategorie der Altersgruppe zwölf bis achtzehn Jahre wurden die Beiträge von Magdalena Küng und von Rosa Wieser ausgewählt:
Magdalena Küng ist vierzehn Jahre alt, besucht die Schule in Bregenz und stammt aus Gaißau. Sie fasst eine sehr feine, detaillierte Beschreibung der Außenwelt, die sie von ihrer Terrasse aus beobachten kann, in Worte und verbindet sie mit ihren Überlegungen zur derzeitigen Situation: „Wo wollen die ganzen Autos hin oder von woher kommen sie? Denn momentan ist nur das Einkaufen, Gassi gehen und kurzes Frischeluftschnappen, aber nur allein oder mit den Mitbewohnern, erlaubt“.

Wenn die sechzehnjährige Rosa Maria Wieser aus Rankweil aus dem Fenster blickt, dann sieht sie eine Welt, wie sie sonst auch immer ist. Sie will aber genauer hinschauen und bemerkt dabei vieles, was ihr vorher noch nicht aufgefallen ist: „Menschen gehen spazieren, oft allein oder mit ‚Sicherheitsabstand‘, … Kinder, die sich im Garten austoben und gar nicht ahnen, was auf dieser Welt eigentlich vor sich geht.“ Für sie fühlt es sich an, „als ob die Welt aufgehört hat, sich zu drehen“.

In der Kategorie der erwachsenen EinreicherInnen ab achtzehn Jahren zählen die Autorinnen Rita Stemberger, Heide-Ulla Drucker und Stefanie Bethage:
Die Angabe von Tageszeiten strukturieren den Text von Rita Stemberger. Ihr Blick gilt der Straße, den Häusern. Es entgeht ihr nichts: „Es ist Mittag. … „In der Flüchtlingswohnung … hinter der Fensterscheibe der Schatten des Kindes“. … „Es ist Nachmittag. … Das Fenster in der Flüchtlingswohnung offen, das Kind redet …“. „Es ist Nacht. … Die Straße leer, keine Autos, keine Busse.“

Heide-Ulla Drucker hat die Quarantäne in Lech erlebt und beschreibt sie in einer dafür ungewöhnlichen aber umso einprägsameren Form, als Lyrik, in knapper aber sehr poetischer Form.

Und zeitgenössische Lyrik stellt auch der Beitrag von Stefanie Bethge dar: Sie beschreibt in ihrem zweiteiligen Gedicht lautmalerisch wie sie das Fenster öffnet und schließt. Die beschriebene Außen- wie Innenwelt ist vertraut aber aufgrund der so verknappten und pointierten Schilderung wirkt sie unerwartet bedrohlich.

Die AusloberInnen freuen sich sehr über diese große literarische Vielfalt der eingereichten Texte, die in diesen Zeiten die Befindlichkeit von Menschen in sprachliche Formen gießt und einer interessierten Öffentlichkeit damit einen Einblick gibt in unterschiedliche menschliche Perspektiven auf die aktuelle Krise.

Der Vorarlberger Kulturservice, das Theater am Saumarkt und Literatur Vorarlberg möchte sich herzlich bei allen EinreicherInnen bedanken.